Mehrzahl der Controller auf dem Holzweg?
März 17, 2007 by AM
Filed under Controlling
„The secret of success is
to offend the greatest number of people“
– George Bernhard Shaw -
Im Rahmen meiner übergreifenden Gesamtthese, dass das Experiment Mensch gescheitert ist, hier nun eine weitere Beobachtung.
Diversen Umfragen nach glauben die Manager, dass Controller sich für sehr viel schlauer halten als sie sind. Vor allem überschätzen die Controller nach Meinung der Manager ihre Kenntnis von Markt und jeweiligem Fachbereich. Nach Meinung der Controller wiederum halten die Manager sich für schlauer als sie sind.
Die ganzen Foren im Internet sind voll mit zynischen Artikeln über die Blödheit von Managern und Vorständen. Günter Ogger gießt noch etwas Öl nach.
Wenn wir so verdammt clever sind, warum machen wir dann nicht unsere eigenen Unternehmen auf und zeigen diesen eingebildeten Manager-Trotteln, wie’s richtig geht? Oder sind wir zu beschäftigt damit, uns toll zu finden, weil wir ja sooo schlau sind. Naja, ich bin jedenfalls zu beschäftigt damit.
Merke: Was das Sozialverhalten angeht, ist seit der Gorillahorde nicht mehr viel passiert. „Beratung“ wird angemommen allein über
psychologische Dominanz und Status. Der Affe macht immer nur vom Oberaffen nach, niemals vom Nebenaffen und schon gar nicht vom Unteraffen. Als Controller einen Vorstand zu beraten ist von daher völlig utopisch, außer der Controller beherrscht die Körpersprache eines Ober-Alpha-Gorillas.
Beratung funktioniert über Leidensdruck! Menschen tun Dinge nicht, weil sie sinnvoll sind, sondern weil sie weniger Arschvoll vom Obergorilla haben wollen, darauf läuft alles hinaus.
Von „Niedrigeren“ zu lernen, erfordert Weisheit. Mit Weisheit kommt die gefühlte – nicht nachgeplapperte – Erkenntnis, dass ich auch mit einem teuren Anzug und der Fähigkeit, 98% der anderen Männchen auf die Fresse zu hauen, nicht wirklich höher stehe. Und wer hat die schon? Ich jedenfalls nicht.
Menschen werden motiviert durch SUBJEKTIVE Anreize – und Unterordnung (was keine ist, aber subjektiv so interpretiert wird) ist nun mal kein Anreiz.
Zumindest um Weisheit bemühen tun sich viele Manager ebenso wie viele Controller.
Deshalb sollte der Controller sich verabschieden von seinem zynischen Glauben an seine eigene Überlegenheit und ein Dienstleister fürs Management sein. Ein technisch, mathematisch und logisch qualifizierter Zahlenlieferant, der die Unternehmenszahlen, monetäre und nichtmonetäre, so aufbereitet, dass die Geschäftsleitung erkennen kann, wie’s steht – wenn sie das denn will.
Wenn sie’s nicht will, hat der Controller immerhin einen Arbeitsplatz und kann schicke Bildchen ausdrucken, die dann irgendwo abgeheftet werden, oder als Unterlage im Hamsterkäfig landen. Immer noch besser als ein türkisches Gefängnis, oder?
Controller kann gern Sparringspartner sein, aber sich nicht einbilden, er wisse tatsächlich alles besser als der Manager.
In meinen 15 Jahren in Interimsmanagement und Controlling habe ich die Erfahrung / Interpretation gesammelt, dass die Dinge bei genauerem Hinsehen oft GANZ anders aussehen als auf den ersten Blick, den ich dann gerne mit emotional geladenen Schlagworten kommentiere, die nicht zwingend von Sachkenntnis durchdrungen sind.
Von daher empfehle ich Bescheidenheit (vor allem mir selbst) und Aufgeschlossenheit besonders gegenüber Leuten, die ich für behämmert halte.
